Zu den Mangelwaren, die wir heute entbehren müssen, zählt auch das deutsche Buch. Jahrelang war der Druck neuer Werke auf ein Mindestmaß beschränkt. Millionen und aber Millionen von Büchern gingen während des Krieges verloren, nicht nur in den Druckereien und Auslieferungslagern der Verleger in Leipzig, sondern in den zahllosen Privatbüchereien.

Von dem wenigen, was uns aus der Zeit vor dem Zusammenbruch geblieben, ist vieles heute nicht mehr lesbar. Wir denken dabei nicht so sehr an die Bücher, die ihrer politischen Richtung wegen ausgeschaltet sind, etwa weil sie eine Gesinnung verherrlichen, die auf der Potsdamer Konferenz abgelehnt wurde. Wir selbst sind kritischer, empfindsamer, feinfühliger geworden. Wir ertragen nicht mehr Verfasser, die falsch und verlogen oder die laut und anmaßend sind. Zuviel ist in den letzten Jahren auf uns niedergegangen, als daß wir nicht einen sechsten Sinn für alles Hohle, Falsche und Aufgeblasene wiedergewonnen hätten, das jahrelang den Ton angegeben. Die innere, instinkthafte Ablehnung erstreckt sich auch auf jene Wortbildungen, die damals gespreizt sich wichtig taten und das deutsche Schrifttum überfluteten.