Die Einfahrt in den Hafen von Kiel zog sich endlos hin. Stundenlang säumten den Einfahrtsweg die Mastspitzen gesunkener Schiffe und deren Aufbauten, die wie stumme Ankläger aus dem Wasser ragten. Dieses Bild eines Friedhofs war ergreifend, besonders für uns Heimkehrer aus Südamerika. Es war die erste Vorbereitung auf das, was wir im Hafen und in der Stadt selbst sehen sollten: Die ausgebrannten und umgeschlagenen Schiffe, die abgebrochenen oder schräg liegenden Kräne, die eingestürzten Werkhallen, die abgedeckten oder zusammengesackten Gebäude, aus denen Treppenflure, Türen, Einrichtungsgegenstände nach außen schauten wie Eingeweide eines verunglückten, verluderten Tieres. Das alles versetzte uns mit einem Schlag aus dem Frieden, der uns bis dahin umgeben hatte, in den Krieg, in eine Welt, von der wir gehört hatten, von der wir auch im Ausland genügend Photographien gesehen hatten. Aber jetzt standen wir selbst mitten drin in ihr, die trostlos, hoffnungslos und doch auch gigantisch in ihrer Zerstörung war.