Von Ivo Hauptmann

Der Sohn des Dichters Gerhart Hauptmann, der – heute selber sechzigjährig – als Maler in Hamburg lebt, erzählt auf unseren Wunsch von seinem Vater, um dessen Schicksal das geistige Deutschland in großer Sorge ist, seitdem bekannt wurde daß er sich von schwerer Krankheit nur mühsam erholt

Bei der Kälte der Zimmer fällt es schwer, Gedanken oder Erinnerungen zu sammeln, die gleichsam tot und erstarrt in ihren Verliesen schlummern und nicht lebendig werden wollen.

Zuletzt hörte ich die Stimme meines Vaters aus Agnetendorf durchs Telephon. Sie war wie immer weich, klar, warm, deutlich und berichtete, daß eine Reise nach Dresden geplant gewesen sei. Er hatte abgelehnt, da er in Agnetendorf bleiben wollte. Ich bestärkte ihn in dieser Absicht, ich war überzeugt, daß die Sturmflut des Krieges an dem einsamen weisen Mann, an dem rastlosen Verkünder menschlichen Leides und Mitleides, dem großen Künstler halten werde. Dann ist er doch gefahren und kurz darauf erlebte er den Untergang von Dresden. Er saß am offenen Fenster und sah von der Anhöhe, von der einst Caspar David Friedrich den schwermütigen Sonnenuntergang gemalt hatte, dem Toben der Dämonen zu. "Wenn ich sterben soll, so will ich in Agnetendorf sterben" waren seine Worte zu einem meiner Freunde, der bei ihm war So fuhr er zurück in seine Werkstatt, den Wiesenstein in Agnetendorf.