Wörter haben magische Gewalt. Leicht lösen sie sich von der Gelegenheit, bei der sie gesprochen, und werden zu einer Macht, die Jahrhunderte überdauert, obgleich der ursprüngliche Sinn längst, verlorengegangen ist. Als im Jahre 1541 Margarete von Österreich, die elfjährige Tochter Maximilians I., vom französischen König, dessen Sohn sie anverlobt war, aus Paris nach Deutschland zurückgeschickt wurde, sprach der zornige Vater bei ihrem Empfang das Wort vom "französischen Erbfeind" Die Folgen der Familienfehde waren bald vergessen, das Wort ist geblieben. Es war zu einer selbständigen Macht geworden, und Jahrhunderte hindurch trug es immer wieder dazu bei, die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu vergiften. Das gleiche tat auf der andern Seite das Wort "Sicherheit Frankreichs", das einige Jahrzehnte später unter der Regierung Franz’ I. aus besonderem politischem Anlaß entstand, und das schließlich Napoleon bis nach Moskau trieb. Auch in unseren Tagen hat ein Wort grauenhafte Folgen; gehabt, und entsetzliches Unglück über die Welt gebracht, ein Wort, das in den letzten Jahren unzählige Male in Deutschland gedankenlos ausgesprochen worden ist, das Wort: der Arier.